Starkbierzeit, die 5. Jahreszeit der Bayern

Fastenzeit in Bayern, Bockbierfest in Heppenheim

Für einen Großteil der Bevölkerung gilt die Faschingszeit als fünfte Jahreszeit.

In Bayern beginnt die fünfte Jahreszeit jedoch erst nach Fasching. Gemeint ist die Fastenzeit beziehungsweise die Starkbierzeit, die von von Aschermittwoch bis zum 20. März andauert.

Diese Tradition wird heute noch gepflegt, wie bereits im Mittelalter.

Besonders streng wurde in den bayrischen Klöstern gefastet. Das Starkbier hat seinen Ursprung in München bei den Paulaner-Mönchen. Ihnen waren während der Fastenzeit besonders strenge Regeln auferlegt. Dies betraf aber nur die festen Speisen, jedoch nicht das Bier. So kamen die bierbrauenden Mönche auf die Idee, ein besonders gehaltvolles und nahrhaftes Bier zu brauen. Man vermutet, dass diese Mönche, die schon 1629 mit der Herstellung dieses süffigen Gebräus anfingen, auf diese Weise versuchten, die Fastenzeit erträglicher zu machen. Sie benutzten hierzu als Vorwand für das Brauen des Spezialbieres den Festtag des heiligen Franz von Paula, ganz nach dem Motto: Bläd derf ma sei, man muas´sich bloß z´häifa wissen – Übersetzt: Dumm darf man sein, man muß sich nur zu helfen wissen.

Fortan diente dieses besondere Bier den Mönchen während der Fastenzeit als „flüssige Nahrung."

- 5 Maß des gsüffigen dunklen Starkbieres ergeben halt auch eine Mahlzeit. Aber einen Durscht hat man dann immer noch. -

Schon bald pilgerten die Münchner zum Biertrinken in das Kloster vor den Toren der Stadt, obwohl die Paulaner-Mönche noch gar kein offizielles Braurecht besaßen. Bier durfte bis dahin nur an Personen ausgeschenkt werden, die zum Kloster gehörten. Schließlich erhielten Sie 1751 die Erlaubnis, ein nach Ihrem Namespatron „Sankt-Vater" genanntes Starkbier zu brauen, das im Volksmund als „Salvator-Bier" umbenannt wurde. Der bayrische Kurfürst Karl-Theodor lockerte 1780 die strengen Regeln zum Bierausschank, die von den findigen Mönchen bisher eher locker gehandhabt wurden.

Beim Starkbier (auch Bockbier) handelt es sich um dunkle oder helle Biere, die einen Stammwürzegehalt von mindestens 16 Prozent haben. Der Alkoholgehalt beträgt zwischen fünf und zehn Prozent.

Der Anstich des ersten Fasses Starkbier ist jedes Jahr vor Ostern ein großes Ereignis, das vor mehreren tausend Menschen stattfindet und dem Oberbürgermeister von München vorbehalten ist. Im Gegensatz zum Oktoberfest ist die Starkbierzeit eine Art angenehmer Pflichtgang, die sich niemand entgehen lassen sollte.

Auch in Heppenheim lässt sich alljährlich das dunkle Bier bei einem zünftigen „Bayrischen Abend" des Gebirgs-Trachtenvereins „Alpenrose" Heppenheim schmecken.

Vor einigen Jahren nahmen die Verantwortlichen des Vereins die Starkbierzeit zum Anlass, ein zünftiges Fest zu organisieren, das sogenannte „Bockbierfest."

Mittlerweile kann der Traditionsverein die 22. Veranstaltung dieser Art in Folge ausrichten, die mit Recht zu einem festen Bestandteil des Heppenheimer Terminklalenders gezählt werden kann.

Die Jugendgruppe, die Aktiven des Vereins, sowie die Akteure der anwesenden Trachtenvereine des Rhein-Main-Gauverbandes, zeigten Bayrisches Brauchtum in Form zünftiger Schuhplattler und Trachtentänze. Für die musikalische Ausgestaltung des Abends sorgten in diesem Jahr die „Siebenbürger Musikanten" aus Rüsselsheim, mit gekonnt und stimmungsvoll dargebotener Blasmusik.

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